Post-Pandemic Populations Veröffentlicht am 27. Mai 2021 Für weitere Informationen Population Europe WissenschaftsForum Markgrafenstraße 37 10117 Berlin, Germany Medienanfragen +49 (0)30 2061 383 - 30 office@population-europe.eu Die COVID-19-Pandemie: Die Rolle von Demografie und Demograf*innen Albert Esteve und Sergi Trias-Llimós Centre for Demographic Studies, Autonomous University of Barcelona Empfehlungen — Die COVID-19-Todesfälle sind nur die Spitze eines Eisbergs. Staatliche Maßnahmen zur Unterstützung von Familien könnten die Auswirkungen der Pandemie auf andere demo- grafische Ereignisse, wie zum Beispiel die Fertilität, abmildern. — Bei der Bekämpfung von COVID-19 sollten politische Entscheidungsträger*innen berück- sichtigen, inwiefern die Altersstruktur und Formen des Zusammenlebens die Infektions- und Todeszahlen beeinflussen können. — Auf nationaler Ebene müssen die statistischen Ämter ihre Datenerfassungssysteme verbessern, sodass auf Registerdaten besser und schneller zugegriffen werden kann. — Das Ausmaß der Übersterblichkeit variiert stark zwischen europäischen Ländern, und auch innerhalb eines Landes gibt es deutliche Unterschiede. Die genauen Gründe für den Erfolg oder Misserfolg einer Region stehen noch nicht fest, sodass in diesem Bereich mehr Forschung notwendig ist. Die Bedeutung der Demografie ermitteln konnten. Unter allen demografisch rele- für das Verständnis der Ursachen vanten Größen stellt das Alter einen zentralen Fak- und Folgen von COVID-19 tor dar, der in dieser Krise sogar der entscheidende Faktor sein könnte. Ältere Menschen haben bei einer Infektion mit dem Virus ein höheres Risiko für einen Aufgrund der epidemiologischen Eigenschaften von schweren Krankheitsverlauf und ein höheres Ster- COVID-19 und den damit einhergehenden Morbidi- berisiko. In allen Ländern einschließlich Deutsch- täts- und Mortalitätsmustern hat die Demografie eine land wurden innerhalb der älteren Bevölkerungs- neue Bedeutsamkeit erlangt. Seit dem Beginn der gruppen die meisten Todesfälle verzeichnet. Länder Pandemie haben Demograf*innen auf diesem Gebiet mit einem hohen Anteil an älteren Menschen führen Artikel veröffentlicht – manche davon in hochrangigen die Sterbestatistiken an. Trotz der umfassenden und Fachzeitschriften – und dabei den Fokus auf die demo- sehr guten öffentlichen Gesundheitsversorgung in grafischen Einflussfaktoren für die Verbreitung von den europäischen Ländern sind diese aufgrund ihrer COVID-19 und die direkten Folgen für die Mortalitäts- Altersstruktur anfällig für die Krankheit. Seit vor und Populationsdynamik gelegt. Klassische demogra- einem Jahr der erste Fall in Europa diagnostiziert fische Einflussfaktoren wie die Bevölkerungsdichte, wurde, nimmt die Zahl der Todesfälle weiterhin Mobilität oder Bevölkerungsstruktur trugen dazu europaweit zu. Die Gesundheitsbehörden und poli- bei, dass wir die Verbreitung des Virus modellieren tischen Entscheidungsträger*innen sind zuversicht- und Schätzwerte für die Krankheits- und Sterbelast lich, dass die massiven Impfprogramme fortlaufende 8 Discussion Paper | Mai 2021 Krankheitswellen verhindern werden, aber es gibt Es gibt gewichtige Gründe für die Annahme, dass angesichts der Virusmutabilität auch Bedenken hin- sich die indirekten Effekte von COVID-19 negativ auf sichtlich der Verfügbarkeit und Wirksamkeit der Imp- die Fertilität und die Migrationsdynamik auswirken fung sowie der Impfgeschwindigkeit. Doch diese Krise werden. Zum einen haben die Einschränkungen der könnte über die Mortalität hinaus auch anderweitig Mobilität eine erhebliche Wirkung auf die Migration. negative Folgen haben. Das könnte sich kurz- und mittelfristig auf das Be- völkerungswachstum auswirken, da dieses Wachstum der Bevölkerung in vielen westlichen Ländern von COVID-19: Migration abhängt. Zum anderen werden sich die Abgrenzung zwischen direkten und Maßnahmen auch auf die Fertilitätsdynamik auswir- indirekten Effekten ken. Die langsame, aber fortwährende Erholung der Fertilität, die in Deutschland über die letzten Jahre beobachtet werden konnte, könnte durch die Ver- Die direkten demografischen Auswirkungen von schlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedin- COVID-19 sind offensichtlich. Zu den direkten Effek- gungen zum Erliegen kommen. Die präventiven ten zählen die Auswirkungen des Virus auf die Mor- Maßnahmen, die zur Eindämmung von COVID-19 talität. In Bezug auf die Übersterblichkeit werden die ergriffen wurden, haben in den europäischen Län- Zahlen des Jahres 2020 in Europa im Vergleich zu dern negative wirtschaftliche Folgen und verstärken den letzten 50 Jahren Rekordwerte erreichen, was soziale Ungleichheiten. Die Arbeitsbedingungen ver- vermutlich auch für das Jahr 2021 gelten dürfte. schlechtern sich und die Unsicherheit nimmt zu. In Was die Lebenserwartung betrifft, so rechnen Demo- Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen graf*innen im Vergleich zu 2019 mit einem Rückgang und die Zahl der Erwerbstätigen in Kurzarbeit beweg- von ungefähr einem oder sogar mehr als einem Jahr te sich 2020 auf einem höheren Niveau als während in Ländern wie Spanien, England oder Wales (Aburto der Großen Rezession (Eichhorst, 2020). Durch diese et al., 2021; Trias-Llimós et al., 2020). Obwohl diese Trends könnten sich die prekäre wirtschaftliche Zahlen auf vorläufigen Schätzwerten beruhen, so Situation und die Arbeitsbedingungen für junge lassen sie doch erahnen, in welcher Größenordnung Erwachsene noch weiter verschlechtern, die ihre sich COVID-19 direkt auf die Mortalität auswirkt. Dies Familienplanung so unter Umständen aufschieben werden prospektive Studien bestätigen, wenn die oder ganz auf Kinder verzichten. endgültigen Werte aus Daten zur Mortalität nach Todesursache veröffentlicht werden. Formen des Zusammenlebens und Neben den direkten Auswirkungen auf die Mortalität ihre Rolle bei der Ausbreitung und können auch die indirekten Effekte von COVID-19 Abschwächung von COVID-19 nicht außer Acht gelassen werden. Die indirekten demografischen Effekte der Pandemie sind jene, die aus der Anwendung von präventiven Maßnahmen re- Neben dem Fokus auf die Rolle demografischer Varia- sultieren, die sich negativ auf das gesellschaftliche blen und der Aufschlüsselung in direkte und indirekte Leben, die Wirtschaft und die Lebensqualität des Ein- Effekte auf die demografischen Ergebnisse sollten zelnen auswirken. Bei den präventiven Maßnahmen Sozialwissenschaftler*innen und politische Entschei- hat man sich überwiegend auf die Beschränkung dungsträger*innen auch beachten, welche Rolle der Mobilität und sozialer Kontakte konzentriert, Haushalte beziehungsweise Formen des Zusammen- um die Verbreitung des Virus zu minimieren. Lock- lebens in dieser Krise spielen. Die überwiegende downs, Beschränkungen der Mobilität sowie die Ein- Mehrheit der Menschen lebt in Privathaushalten mit schränkung der Öffnungszeiten von Bars, Restau- anderen Menschen zusammen, und zwar hauptsäch- rants und Einkaufszentren zählen zu den Maßnah- lich mit Verwandten ersten Grades. Haushalte sind men, die in allen Ländern am häufigsten umgesetzt zum Minimalmaß der Beschränkung geworden. Auf- wurden. Doch die Auswirkungen dieser Maßnahmen grund geltender Maßnahmen wurden die physischen auf den demografischen Wandel wurden bisher noch Kontakte außerhalb des Haushalts reduziert und die nicht ausreichend untersucht. Zeit, die zusammen mit Mitgliedern des Haushalts population-europe.eu 9 verbracht wird, hat zugenommen. Im Vergleich zu innerhalb ihres Haushalts typischerweise weniger anderen demografischen Fragestellungen wurde ver- Kontakt zu anderen Personen. gleichsweise wenig untersucht, wie Haushalte mit der Krise zurechtkommen. Es gibt jedoch immer mehr In Abbildung 1 wird dies für Männer und Frauen in Belege für die Rolle von Haushalten bei der Verbrei- Deutschland im Jahr 2018 mithilfe von Daten aus der tung des Virus: Typischerweise finden mehr als 50 % Arbeitskräfteerhebung von Eurostat veranschaulicht der Ansteckungen innerhalb von Haushalten statt. (European Labour Force Survey). Die Abbildung zeigt Große Haushalte sind dabei stärker betroffen als die durchschnittliche Zahl der Haushaltsmitglieder kleine, da hier eine größere Wahrscheinlichkeit dafür nach Alter gruppiert. Kinder im Alter von 0 bis 4 Jah- besteht, dass sich ein Haushaltsmitglied infiziert und ren wohnen im Durchschnitt mit fast 3 weiteren Per- weitere Mitglieder ansteckt. Am wichtigsten ist die sonen zusammen, wohingegen Erwachsene im Alter Form des Zusammenlebens jedoch, wenn es um ältere von 70 oder mehr Jahren im Durchschnitt mit weniger Menschen geht (Brandén et al., 2020). Diesbezüg- als einer weiteren Person zusammenleben. Aus der lich gibt es weltweit große Unterschiede (Esteve et al., Abbildung ist auch ersichtlich, dass ältere Personen 2020a). In Europa zum Beispiel leben ältere Menschen mit Personen gleichen Alters zusammenleben und häufiger allein als in jeder anderen Region der Welt. dass es im Alter eher selten vorkommt, dass mehrere Aus diesem Grund haben ältere Erwachsene in Europa Generationen zusammenleben. Dies hat natürlich Abb. 1: Formen des Zusammenlebens nach Alter und Geschlecht, Deutschland 2018 Quelle: Eurostat, Labour Force Survey für Deutschland, 2018 Anmerkung: In Einrichtungen (z. B. Pflegeheimen) lebende Bevölkerungsgruppen wurden in Abb. 1 nicht berücksichtigt. Alter der Frauen Männer Mitbewohner*innen 3 0–4 5–9 10 – 14 15 – 19 20 – 24 2 25 – 29 30 – 34 Zahl der Mitbewohner*innen 35 – 39 40 – 44 45 – 49 1 50 – 54 55 – 59 60 – 64 65 – 69 70+ 0 0–4 5–9 10 – 14 15 – 19 20 – 24 25 – 29 30 – 34 35 – 39 40 – 44 45 – 49 50 – 54 55 – 59 60 – 64 65 – 69 70+ 0–4 5–9 10 – 14 15 – 19 20 – 24 25 – 29 30 – 34 35 – 39 40 – 44 45 – 49 50 – 54 55 – 59 60 – 64 65 – 69 70+ Altersgruppen 10 Discussion Paper | Mai 2021 einen Einfluss auf die Übertragung des Virus, da vorangegangenen Jahren bisher der am häufigsten ältere Menschen in Europa im Vergleich zu anderen genutzte Indikator. Nicht alle zusätzlichen Todesfälle Regionen in der Welt innerhalb ihres Haushalts weni- sind jedoch notwendigerweise auf COVID-19 zu- ger Kontakten ausgesetzt sind. So ist es zum Beispiel rückzuführen. Die todesursachenspezifischen Sterbe- wenig wahrscheinlich, dass Kinder oder junge ziffern, die in den kommenden Monaten und Jahren Erwachsene ältere Menschen zu Hause anstecken, veröffentlicht werden, werden sich bei der Unterschei- weil es nicht üblich ist, dass Kinder und ältere dung dahingehend als hilfreich erweisen. Außerdem Personen in einem Haushalt zusammenwohnen. wird die Klassifikation der Todesursache im Einklang Der seltene Kontakt zwischen älteren Erwachsenen mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorgani- und den jüngeren Generationen kann stärker ge- sation (WHO) in Zeiten von COVID-19 zusätzliche fährdete Gruppen vor Ansteckung mit dem Virus Anstrengungen erfordern. Die Lebenserwartung wird schützen. Doch dies könnte gewiss auch negative im Jahr 2020 zweifellos sinken. Inwieweit die Lebens- Folgen für das psychische Wohlbefinden der älteren erwartung wieder das Niveau von 2019 erreichen Bevölkerungsgruppe haben (Arpino et al., 2020). wird, wird in großem Maße von den Auswirkungen der Krankheit auf die Gesundheit von den Millionen Pflegeheime gelten wegen der schnellen Verbreitung Menschen abhängen, die sich infiziert haben. Außer- des Virus aufgrund dort fehlender Ressourcen in der dem wird es darauf ankommen, inwieweit Impfstoffe gesundheitlichen Versorgung und Pflege auch als Hot- und sonstige präventive Maßnahmen das pandemische spot für COVID-19-Infektionen in den gefährdeten Geschehen beenden oder zumindest minimieren kön- Bevölkerungsgruppen. Die Mortalität ist aufgrund des nen. Unabhängig davon, wann die Pandemie gestoppt schlechten Gesundheitszustands der Bewohner*in- wird, können wir eine schnelle Verbesserung der Mor- nen deutlich gestiegen. Gleichzeitig wird die Quantifi- talitätsbedingungen nicht ausschließen, weil die Pan- zierung des Einflusses von COVID-19 in Pflegeheimen demie unter älteren Menschen mit Vorerkrankungen durch das Vorliegen einer erhöhten Prävalenz von zu mehr Todesfällen führt (der sogenannte „Harvest- Komorbidität und das daraus resultierende Mortali- ing-Effekt‟ beziehungsweise erwartete Todesfälle). tätsrisiko zusätzlich erschwert. Es besteht trotzdem Dadurch wiederum würden die Sterberaten sinken, so kein Zweifel daran, dass Pflegeheime als ein wichti- wie es nach schweren Grippewellen zu beobachten ist. ger Ausgangsort die Verbreitung des Virus deutlich begünstigt haben. Aus diesem Grund wird der Imp- Eine langfristige und anspruchsvollere Aufgabe wird fung von Pflegeheimbewohner*innen in den meisten es sein, zu messen, welchen Einfluss die Pandemie Ländern eine hohe Priorität eingeräumt. auf die Fertilität und die Migrationsbewegungen hat. Die wirtschaftliche Erholung und das Vertrauen der Bürger*innen in die Zukunft werden für die Fertilität Herausforderungen beim Messen maßgeblich sein, da Paare schon in jungen Jahren der direkten und indirekten Unsicherheiten in der Zukunft minimieren, um ihre demografischen Auswirkungen von Wunschvorstellung in Sachen Familienplanung ver- COVID-19 hinsichtlich Mortalität, wirklichen zu können. In Europa liegt die bevorzugte Fertilität und Migration Kinderzahl weiterhin bei zwei, so auch in Deutschland. Doch in kaum einem Land in der westlichen Welt wird dieser Wert erreicht. In den meisten Ländern hat die Das Messen der direkten und indirekten Auswirkungen Fertilität in den letzten Jahrzehnten abgenommen. von COVID-19 auf die demografische Entwicklung wird Im Jahr 2021 wird der Effekt der Pandemie auf die Demograf*innen in den kommenden Jahren vor ernst Fertilität erstmalig messbar sein. In Bezug auf die zu nehmende methodologische und datenbedingte Migration lässt sich beobachten, dass die Bevölke- Herausforderungen stellen. Angesichts der beschränk- rungsentwicklung infolge der Mobilitätsbeschrän- ten Verfügbarkeit von Daten und aufgrund diverser kungen weniger dynamisch verläuft. Aus diesem weiterer Faktoren könnten die Ergebnisse in Abhän- Grund hat die Zuwanderung im Jahr 2020 vermutlich gigkeit von den verwendeten Methoden und Daten- ebenfalls abgenommen. Wenn sich die Lage verbes- quellen stark variieren. Auf dem Teilgebiet der Mor- sert, werden die Migrationsströme jedoch auch wieder talität ist die Übersterblichkeit im Vergleich zu den ihr ursprüngliches Niveau erreichen. population-europe.eu 11 Erkenntnisse aus der Demografie: Literatur Empfehlungen für die Datenerhebung und -modellierung — Aburto, J. A., Kashyap, R., Schöley, J., Angus, C., Ermisch, J., Mills, M. C. & Dowd, J. (2021). Estimating the Burden of COVID-19 on Mortality, Life Expectancy and Demograf*innen können aus der Krise wichtige Er- Lifespan Inequality in England and Wales: A Population-level kenntnisse ziehen. Die demografische Perspektive ist Analysis. Journal of Epidemiology and Community Health. wichtig, um die Ursachen und Folgen der COVID-19- http://dx.doi.org/10.1136/jech-2020-215505 Pandemie zu verstehen. Die Altersstruktur und Dichte der Bevölkerung sowie die Formen des Zusammen- — Arpino, B., Pasqualini, M., Bordone, V. & Solé-Auró, A. lebens sollten als Schlüsselvariable betrachtet wer- (2020). Older People’s Nonphysical Contacts and Depression den, die Auskunft über die Verbreitung und die Folgen During the COVID-19 Lockdown. The Gerontologist gnaa144, des Virus geben und für die Modellierung genutzt https://doi.org/10.1093/geront/gnaa1442020 werden können. Um akkurate Vorhersagen treffen zu können, sind sie jedoch nicht ausreichend. Die all- — Brandén, M., Aradhya, S., Kolk, M., Härkönen, J., Drefahl, S., täglich stattfindenden Kontakte zwischen einzelnen Malmberg, B., Rostila, M., Cederström, A., Andersson, G. & Personen werden in den üblichen demografischen Mussino, E. (2020). Residential Context and COVID-19 Mor- Datenquellen nur spärlich erfasst. Daten zur tägli- tality Among Adults Aged 70 Years and Older in Stockholm: chen Mobilität, geordnet nach Altersgruppen, wären A Population-based, Observational Study Using Individual- von hohem Nutzen gewesen. Mobilfunkunternehmen level Data. The Lancet Healthy Longevity, 1(2), e80–e88. und Unternehmen aus der Big-Data-Branche könnten https://doi.org/10.1016/S2666-7568(20)30016-7 dazu beitragen, diese Datenlücke zu schließen. Doch die Zusammenführung so gewonnener Daten mit den — Eichhorst, R. (2020): IZA COVID-19 Crisis Response demografischen Daten stellt für Sozialwissenschaft- Monitoring: Germany (December 2020). ler*innen eine ernsthafte Herausforderung dar. Auf nationaler Ebene müssen die statistischen Ämter ihre — Esteve, A., Reher, D. S., Treviño, R., Zueras, P. & Turu, A. Datenerfassungssysteme verbessern, sodass auf (2020). Living Alone over the Life Course: Cross-National Registerdaten besser und schneller zugegriffen wer- Variations on an Emerging Issue. Population and Develop- den kann. ment Review, 46(1), 169-189. https://doi.org/10.1111/ padr.12311 Die Flut von Daten und Kennzahlen, die von staat- lichen Behörden, Forschungsinstituten und Medien — Esteve, A., Permanyer, I., Boertien, D. & Vaupel, J. (2020). bereitgestellt werden, könnte den falschen Eindruck National and Coresidence Patterns Shape COVID-19 Vul- erwecken, dass wir bereits über gute Indikatoren nerability. PNAS, 117(28),16118 – 16120. https://doi.org/10. für die Folgen von COVID-19 verfügen. Durch die 1073/pnas.2008764117. Pandemie wurden zahlreiche Anstrengungen unter- nommen, Daten zu erheben und zu harmonisieren, — Trias-Llimós, S., Riffe, T. & Bilal, U. (2020). Monitoring um sie vergleichen und Schlussfolgerungen ziehen Life Expectancy Levels During the COVID-19 Pandemic: zu können. Die Zahl der Visualisierungen in den so- Example of the Unequal Impact of the First Wave on Spanish zialen Medien und wissenschaftlichen Publikationen Regions. PloS one, 15(11), e0241952. https://doi.org/10. ist exponentiell gestiegen. Allerdings ist bei diesen 1371/journal.pone.0241952. Analysen Vorsicht geboten, da sie häufig auf vorläu- figen und unvollständigen Daten beruhen. Die statis- tischen Ämter benötigen noch Zeit, um die finalen Werte zur Verfügung stellen zu können. In den kom- menden Jahren werden Demograf*innen damit be- schäftigt sein, die neu generierten Daten zu erklären und kritisch zu analysieren, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die demografische Entwicklung besser zu verstehen. 12 Discussion Paper | Mai 2021 population-europe.eu 13